Monday, June 04, 2012

Against TAZ censorship

Folks, apologies for the German language text. Just supporting a concerted effort to subvert a censorship act at the left-wing German daily 'die tageszeitung'. 

Here's a bit of background (also, unfortunately, in German).
Der homosexuelle Mann …
… in Aserbaidschan ist dem Westeuropäer ein Fremder. Möglicherweise ist — wie es in queerer Terminologie heißt — sein Konzept sowohl von Homosexualität als auch von Homosexuellenunterdrückung ein ganz anderes. Der gerade zu Ende gegangene Eurovision Song Contest sollte Aufschluß darüber geben. Denn kaum war im vergangenen Jahr in Düsseldorf das Duo aus Baku zum Sieger gekürt, fragten die ESC-Fans schon nach: Kann man als Schwuler überhaupt nach Baku reisen oder wird man gleich festgenommen beim ersten spitzen Schrei?
Viele von denen, die jetzt da waren, haben ihre Beobachtungen mitgeteilt, das Ergebnis ist ein »sowohl« als »auch«. Festgenommen wurde wohl keiner der schwulen Gäste, aber wirklich gerne gesehen war man auch nicht. Falls man überhaupt von »gesehen« sprechen kann. Denn das scheint die oberste Maxime der heimischen Schwulen zu sein: Aufpassen, dass man nicht gesehen wird. Ein schwules Leben ist möglich — als Doppelleben, im Versteck und in der Nacht.
Einzig Jan Feddersen, in Personalunion Baku-Blogger für taz und NDR, hat es anders wahrgenommen. Die Unterdrückung der Homosexuellen? »Westliche Gerüchte«, schreibt Feddersen, »Gräuelpropaganda von Menschenrechtisten«, stattdessen sei Baku ein einziger »schwuler Catwalk« mit Männern in »hautengen T-Shirts« und »Jeans mit eingebauten Gemächtebeulen«. Und die halten Händchen in aller Öffentlichkeit und sind »Buddies« ein Leben lang.
Feddersens höhnischer Ton immer dann, wenn es um Pressefreiheit und Menschenrechte in Aserbaidschan ging, erstaunte die übrigen Pressevertreter, seine verklärten Worte über das schwule Leben dort erzürnte die Beobachter schwuler Medien. »Das Mindeste, das du jetzt tun könntest, aus Solidarität zu denjenigen, die ein anderes Verhältnis zu den Realitäten haben«, schreibt queer.de-Redakteur Christian Scheuß in einem offenen Brief an Jan Feddersen, »halt in Sachen Menschenrechte doch einfach die Klappe.« Frank & Ulli schlagen auf ihrer Web-Seite »2mecs« vor, Feddersens Wortschöpfung »Menschenrechtist« zum Unwort des Jahres zu küren. Für die beiden Autoren macht es keinen Sinn einen neuen Begriff einzuführen, es gebe doch die »Menschenrechts-Aktivisten«: »Es sei denn«, unterstellen sie Feddersen, »man wolle ihrer Arbeit eine negative Konnotation anhängen, sie diffamieren, sie verächtlich machen.«
Auch Patsy l’Amour laLove lässt in ihrem Patsy-Blog kein gutes Haar an Feddersen und stellt — mit Blick auf seine idyllischen Mutmaßungen über muslimisch konnotierte Männerfreundschaften — fest: »Wenn Männersex in Badehäusern en vogue ist, dann träume ich nicht davon, wie befreit diese Gesellschaft sein muß, sondern denke darüber nach, warum schwuler Sex nur in der Begrenztheit dieser Räume stattfinden darf.« Die Polittunte setzt ihre Forderung gegen jeglichen falschen Zungenschlag: »Solidarität mit unseren Schwestern anstatt selbstgefälliger Romantisierung!« Denn »die Schwulenunterdrückung in Aserbaidschan ist kein Gerücht sondern Alltagsrealität!«
Elmar Kraushaar